Präsidentin ohne Land
"Heftiger Gewaltausbruch lässt neues Land in Zentralasien entstehen" meldete die Satireseite "Der Postillon" im April.
Bischkek (dpo) - Durch einen heftigen Gewaltausbruch, der die gesamte Region erschütterte und in dessen Folge Unmengen von Nachrichten austraten, ist zwischen Kasachstan und China ein neues Land mit einer Fläche von rund 199.900 km² entstanden.
"Noch vor wenigen Tagen befand sich in diesem Gebiet nichts, wofür sich die Menschen oder Medien in Deutschland interessiert hätten", erklärte ein Experte.
Marina und mir ging es nicht anders. Da, wo der postsowjetische Kontinent ausfranst, da bekommen wir auch nicht mehr alle Hauptstädte zusammen.
Kirgisien kommt seitdem nicht zur Ruhe, und wenn etwas nicht zur Ruhe kommt, dann kommen die Journalisten. Also kaum aus Deutschland zurück gings für mich (Ben) ins Ungewisse, Nachtflug vom Flughafen Scheremetewo, auf nach Bischkek Kirgisien.
Viel Zeit die Schönheit des Landes zu bewundern hatte ich nicht (Empfohlen sei der Blog von Aaro, einem Finnen, der gerade in Bischkek studiert und den ich von meinem Studium in St. Petersburg kenne). Aber was ich gesehen habe (Schneebedeckte Berge, russische Militärstützpunkte hinter Maulbeerbäumen) lässt nur hoffen, dass Kirgisien bald wieder zur Ruhe findet, damit wir uns diesen schönen Flecken Erde mal in Ruhe ansehen können.
Leider sieht es danach nicht aus. Kirgisiens Präsidentin Rosa Otunbajewa wirkt nach nur zwei Monaten im Amt müde. Sie sagt: "Dieses Amt ist kein Geschenk für mich, keine Gefälligkeit", sondern eine schwere Bürde. Das Interview, das Sie mir in den vergangenen Woche gegeben hat, findet Ihr ebenso wie den Report aus Kirgisien im aktuellen Spiegel. Die englische Fassung gibt es hier und hier.
Das Interview fand nachts um halb zwei im ehemaligen Parlamentsgebäude statt, in ihrem Büro. Das Licht ist sprichwörtlich bereits ausgegangen auf den Fluren, die provisorische Regierung muss Strom sparen. An den Türen der Kabinette kann man noch die Spuren der Revolte vom 7. April sehen, als Demonstranten das Gebäude stürmten, Türen aufbrachen - und letztlich Otunbajewa ins Amt brachten, eine freundliche Dame, eine überzeugte Demokratin, doch in Amt und Würden Dank eines Staatstreiches.
"Noch vor wenigen Tagen befand sich in diesem Gebiet nichts, wofür sich die Menschen oder Medien in Deutschland interessiert hätten", erklärte ein Experte.
Kirgisien kommt seitdem nicht zur Ruhe, und wenn etwas nicht zur Ruhe kommt, dann kommen die Journalisten. Also kaum aus Deutschland zurück gings für mich (Ben) ins Ungewisse, Nachtflug vom Flughafen Scheremetewo, auf nach Bischkek Kirgisien.
Viel Zeit die Schönheit des Landes zu bewundern hatte ich nicht (Empfohlen sei der Blog von Aaro, einem Finnen, der gerade in Bischkek studiert und den ich von meinem Studium in St. Petersburg kenne). Aber was ich gesehen habe (Schneebedeckte Berge, russische Militärstützpunkte hinter Maulbeerbäumen) lässt nur hoffen, dass Kirgisien bald wieder zur Ruhe findet, damit wir uns diesen schönen Flecken Erde mal in Ruhe ansehen können.
Leider sieht es danach nicht aus. Kirgisiens Präsidentin Rosa Otunbajewa wirkt nach nur zwei Monaten im Amt müde. Sie sagt: "Dieses Amt ist kein Geschenk für mich, keine Gefälligkeit", sondern eine schwere Bürde. Das Interview, das Sie mir in den vergangenen Woche gegeben hat, findet Ihr ebenso wie den Report aus Kirgisien im aktuellen Spiegel. Die englische Fassung gibt es hier und hier.
Das Interview fand nachts um halb zwei im ehemaligen Parlamentsgebäude statt, in ihrem Büro. Das Licht ist sprichwörtlich bereits ausgegangen auf den Fluren, die provisorische Regierung muss Strom sparen. An den Türen der Kabinette kann man noch die Spuren der Revolte vom 7. April sehen, als Demonstranten das Gebäude stürmten, Türen aufbrachen - und letztlich Otunbajewa ins Amt brachten, eine freundliche Dame, eine überzeugte Demokratin, doch in Amt und Würden Dank eines Staatstreiches.
Es ist eine schwache Regierung, sie hat kaum Kontrolle über den Südteil ihres eigenen Landes. Fassungslos liest Otunbajewa ihren Mitarbeitern Berichte aus Osch und Dschalalabad vor - aus dem Internet. Männer der neunten Hauptabteilung des kirgisischen Geheimdienstes schützen sie - die Kalaschnikow mehr schlecht als recht versteckt unter glänzenden Anzügen.
Am Sonntag sollen die Kirgisen wählen, sie sollen abstimmen über eine neue Verfassung, Otunbajewas Projekt. Dann entscheidet sich wohl auch das Schicksal der Präsidentin.
PS: Gut, dass ich mir in Berlin noch schnell ein schickes Jackett zugelegt habe!
3 Kommentare:
Ja! Sehr schick das Jackett, äußerst schick!!!
Und wer hätte da gedacht, dass es schon gleich zu solchen Ehren wie der eines Präsidenteninterviews kommt.
Aber wie gut auch, dass ihr jetzt wieder vereint auf dem Balkon brunchen oder elektrogrillen könnt!
Aus der Jackedt-Statt grüßen Euch Annekathrin&Marc
Wow, Ben, was Du wieder so alles erlebst! Wie lange warst Du denn in Bischkek?
Ich hoffe auch, dass sich die Lage bald beruhigt. Ich wuerde da wirklich gerne mal hinfahren.
Liebe Gruesse aus Taipei, von Silli
PS: Das Jackett ist in der Tat totschick!
Wer begrüsst da eigentlich wen?
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