Wie wir einmal ins Theater wollten... oder über die Vorzüge von Ben
Samstag Abend halb sechs in Moskau: Marina hüpft noch schnell unter die Dusche. Ben schaut auf die Uhr, verkneift es sich aber und denkt sich seinen Teil. In einer Viertelstunde soll’s losgehen. Endlich mal wieder ins Theater – nach all den arbeitsintensiven Wochenenden! Ein Stück über den falschen Dimitri.
Darüber hat Ben damals im Auslandssemester eine unglaublich gut recherchierte Hausarbeit geschrieben, das Weltbild seines Dozenten in Petersburg durch dieses Engagement und eigenständiges Denken vollkommen zerrüttet und vor allem endlich am Ende des Semesters Russisch gelernt – sonst hat man im Auslandssemester ja nicht viel Zeit für derlei Dinge...
Um sechs geht es dann endlich los. Immerhin! Eine halbe Stunde zum Fertigmachen – mit Haarewaschen und -fönen! Marina ist ganz schön stolz auf diesen Rekord, den Ben natürlich würdigen muss – obwohl er sich heimlich fragt, ob sie es noch rechtzeitig ins Theater schaffen. Jetzt gilt es nur noch, bis zur Metro zu kommen – im ‚Metrogang’ natürlich, sprich: sehr viele schnelle Schritte für Ben und doppelt so viele schnelle Tippelschritte für Marina. Den Rest macht dann schon der Zugführer. Auf die Geschwindigkeit der Metro ist nämlich immer Verlass.
Nach einer Viertelstunde Hetzjagd mit unzähligen Überholungen, gefährlichen Manövern beim Überqueren der Straße, weil die Ampel nicht länger grün sein wollte als sonst, erfolgreichen und gut platzierten Seitenhieben und Tritten gegen nicht eingezogene Schienbeine älterer Damen auf der Rolltreppe, um sich einen Weg zum bereits einsausenden Zug zu bahnen, hüpfen sie noch in letzter Sekunde (Marina hat Seitenstechen) in einen der mittleren Waggons (die ersten drei sind wegen gewisser Ereignisse der jüngsten Zeit nicht mehr wirklich zu empfehlen) und bekommen sogar noch einen Sitzplatz. Auf diesen lässt sich Marina erschöpft aber zufrieden sinken. Ben muss stehen. Männer müssen sich in der Metro immer dafür schämen, wenn sie die Unverfrorenheit besitzen, einen der begehrten Sitzplätze zu besetzen.
Ein Blick auf die Uhr verrät, dass sie doch noch ganz gut in der Zeit sind und Marina will sich gerade zurücklehnen und sich in der Freude suhlen, all das erfolgreich gemeistert zu haben, Ben doch noch bewiesen zu haben, dass sie nicht immer zu spät dran ist, als sie ein Gedanke durchzuckt: die Tickets!
Ben möchte gerne schimpfen, weiß aber, dass er lieber nicht sollte und gibt stattdessen nur seiner Freude Ausdruck, dass nicht er die Tickets vergessen hat. Nur bedenkt er in dem Moment natürlich nicht, dass es genauso seine Schuld, dass wir die Tickets vergessen haben. Schließlich hat er mich kein einziges Mal darauf hingewiesen, sie einzustecken... Es ist so schön, einen – meinen Ben zu haben!
4 Kommentare:
Vorzugscounter Ben: 1
Als verantwortlicher Redakteur dieses Blogs würde ich ja die Überschrift ändern in
Wie wir mal wieder ins Theater wollten - oder: Über die Unfehlbarkeit der Frau (wahlweise auch "einer", "jener", "dieser", "meiner")
also ich verteidige marina :) schließlich hattest du, lieber ben, ja die ganze zeit nichts zu tun, während sie sich sowieso schon total beeilen musste..:)du kennst ja den russischen druck auf die weibliche schönheit - da hättest du, der es eh schon viel leichter hat, ja auch an die billets denken können...:)hihi...
Hallo Marina und Ben,
ich lese mit großem Vergnügen (und dem ein oder anderen Schmunzeln) Euren Blog. Es freut mich zu sehen, dass es Euch gut geht und ihr viel erlebt.
Viele Grüße aus Berlin
anna
PS: @Ben: Schuld sein ist ein gaaanz wichtiges Erfolgsrezept für eine gelungene Beziehung *g*
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